Zwischen Abschied und Neubeginn
- Nina
- 28. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Ein Ende, ist auch nur ein neuer Anfang
Jeder kennt dieses Gefühl, das einen kurz vor einem Stallwechsel begleitet: Hoffnung auf eine bessere Zukunft – und gleichzeitig die Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen. In diesem Blogbeitrag teile ich, was mich in dieser Phase bewegt hat und welche Gedanken mich vor dem Stallwechsel begleitet haben.
Ein Stallwechsel: kritischer Blick auf Entwicklung
Stallwechsel sind in der modernen Reitergesellschaft beinahe zur Normalität geworden. Kaum passt etwas nicht, wird gewechselt – so zumindest die Wahrnehmung vieler Stallbesitzer. Immer wieder hört man Aussagen darüber, wie kompliziert und anspruchsvoll Pferdebesitzer geworden seien. Doch stimmt das wirklich?
Fakt ist: Im Zürcher Oberland gibt es eine grosse Dichte an Reitställen. Das Angebot ist fast übersättigt. Das schafft Möglichkeiten – erhöht aber gleichzeitig den Druck auf beide Seiten. Entscheidungen werden schneller getroffen, Erwartungen steigen, und echte Passung gerät manchmal in den Hintergrund.
Ein Stallwechsel passiert selten aus einer Laune heraus. Meist geht ihm eine lange Phase des Zweifelns voraus.
Man versucht, sich anzupassen, Dinge auszuhalten, Gespräche zu führen oder sich selbst zu hinterfragen. Ist es wirklich der Stall – oder bin ich einfach zu sensibel? Verlange ich zu viel? Oder übersehe ich Bedürfnisse meines Pferdes, weil ich loyal bleiben möchte?
Für mich war der entscheidende Punkt nicht ein einzelnes Ereignis, sondern ein Gefühl, das sich über Monate aufgebaut hat: fehlende Ruhe, fehlende Passung, zu viele Kompromisse auf Kosten meines Pferdes – und meiner eigenen inneren Klarheit. Ein Stall kann objektiv „gut“ sein und trotzdem nicht der richtige Ort für genau dieses Pferd-Mensch-Team.
Ein Stallwechsel bedeutet Abschied. Von Menschen, von Routinen, von einem vertrauten Alltag. Er bedeutet auch Verantwortung: für die Entscheidung selbst, für die Konsequenzen, für das Risiko, dass es vielleicht nicht sofort besser wird. Genau diese Verantwortung macht die Entscheidung so schwer – und so persönlich.
Eine Chance
Gleichzeitig liegt im Stallwechsel auch eine Chance. Die Chance, genauer hinzuschauen: Was braucht mein Pferd wirklich? Was brauche ich, um langfristig präsent, geduldig und fair zu bleiben? Und welche Rahmenbedingungen unterstützen uns dabei – statt uns ständig Energie zu kosten?
Ich glaube nicht, dass Pferdebesitzer grundsätzlich komplizierter geworden sind. Ich glaube, viele sind bewusster. Sensibler für Haltungsfragen, für Training, für das eigene Bauchgefühl. Das mag anstrengender sein – für alle Beteiligten. Aber es ist auch Ausdruck von Verantwortung.
Ein Stallwechsel ist kein Scheitern. Er ist auch kein Angriff auf Stallbesitzer. Manchmal ist er einfach ein ehrliches Eingeständnis, dass etwas nicht mehr passt. Und dass es Mut braucht, das anzuerkennen – trotz Angst, trotz Unsicherheit, trotz aller offenen Fragen.
Das Gefühl das bleibt
Der Stallwechsel schmerzt mich dennoch. Abschied tut weh, auch wenn er bewusst gewählt ist. Beziehungen, Gewohnheiten und vertraute Abläufe lassen sich nicht einfach hinter sich lassen.
Trotzdem habe ich mir zur Aufgabe gemacht, für mein Pferd mit Herz zu sorgen. Diese Verantwortung endet nicht dort, wo es unbequem wird. Wenn ich Überwindung brauche, um in den Stall zu fahren, weil ich mich unwohl fühle und spüre, dass die Bedürfnisse meines Pferdes nicht mehr gedeckt sind, dann ist das für mich ein klares Zeichen.
In solchen Momenten wird mir bewusst: Wegschauen wäre einfacher – aber nicht ehrlicher. Und genau deshalb entscheide ich mich lieber für ein Ende mit Schrecken als für einen Schrecken ohne Ende.
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